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Wolfgang Siebert leitet heute die ALDI SÜD Filiale in Kulmbach. Vor 30 Jahren war er Filialleiter in Naida und hat den Mauerfall aus unmittelbarer Nähe mitbekommen.
Wolfgang Siebert leitet heute die ALDI SÜD Filiale in Kulmbach. Vor 30 Jahren war er Filialleiter in Naida und hat den Mauerfall dort unmittelbar miterlebt.

Den Mauerfall am 9. November 1989 verfolgten die meisten Menschen am Fernsehen. Wolfgang Siebert war ganz nah dran. Er leitete damals unsere Filiale in Naila, fünf Autominuten von der DDR-Grenze entfernt. Wir haben ihn gefragt, wie er die Weihnachtszeit vor 30 Jahren erlebte.

Wolfgang, wie war das damals bei euch, kurz nach dem Mauerfall?

Man hatte ja schon mitbekommen, dass da was vor sich ging. Aber plötzlich war die Filiale voller Menschen. Wir haben erst gar nicht verstanden, was los ist. An der Kleidung konnte man sehen, dass sie „von drüben“ kamen. Das war einfach eine andere Mode. Gekauft haben die Leute erst einmal gar nichts – nur geschaut und gestaunt.

Was änderte sich für euch durch den Mauerfall?

Eigentlich alles. Vor dem Mauerfall kam jeden Tag ein Lkw mit frischer Ware, danach waren es drei. Die Filiale war durchgehend voll. Wir sind mit dem Einräumen kaum hinterher gekommen. Aus Nürnberg kamen Kollegen und haben uns unterstützt. Gefragt waren vor allem Orangen und Bananen. Schokolade auch, und Konserven. Wenn wir Nachschub aus dem Lager holten, kamen wir oft gar nicht bis zum Regal. Die Kartons waren vorher leer. Also haben wir die Filiale irgendwann vorübergehend geschlossen, um alles auffüllen zu können.

Wie hast du damals die Vorweihnachtszeit erlebt?

Der Parkplatz war immer picke-packe-voll. Trabbi an Trabbi. Über allem lag dieser Zweitakt-Duft, wie von einem Moped. Das ging morgens um 6 Uhr los, zwei Stunden bevor wir öffneten. Die Leute saßen in ihren Autos und warteten, darunter auch Familien. Der Winter damals war eiskalt. Bevor wir die Filiale aufgemacht haben, sind wir raus in die Kälte und haben die Mütter mit Kindern reingeholt. Damit die sich aufwärmen können. Wir haben ihnen heiße Milch gemacht und manchmal sogar beim Wickeln geholfen. Bei all dem Stress waren das ruhige, schöne Momente.

Wie ging es in den Wochen danach weiter?

Der Andrang blieb noch lange sehr groß. Bei den einheimischen Kunden kam das nicht so gut an. Die fühlten sich verdrängt. Aber wir haben versucht, für alle da zu sein – so gut es eben ging. Die Zeit war besonders und hat auch Spuren hinterlassen. Viele Kunden sind in der Gegend geblieben und haben hier Arbeit gefunden. Manche sogar als Kollegen von uns. Manchmal besuchen uns sogar Kunden von damals und kommen dafür von weit her. Ich denke, wir haben zu der Zeit super zusammengehalten und irgendwie das Richtige gemacht. Sonst hätte das alles nicht funktioniert.

Wolfgang Siebert leitet heute die ALDI SÜD Filiale in Kulmbach.

Hier erfahrt ihr, welche ALDI SÜD Weihnachtsartikel in den 80er- und 90er-Jahren besonders beliebt waren.

Tobias Neuhaus
Tobias Neuhaus
Bei ALDI SÜD bin ich Mitarbeiter des Presseteams. Meine Spezialgebiete sind regionale Themen und der Bereich Human Resources. Das sind meine Lieblingsprodukte: Feinwürzige Gewürzgurken feurig-pikant, Büffelmozzarella und Ayran. Seitdem ich bei ALDI SÜD arbeite, kaufe ich da noch lieber ein.

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Super Beitrag, vielen Dank für die spannenden Einblicke!
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