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Jedes Unternehmen hat einen Anfang und eine Geschichte zu erzählen. Die Wurzeln von ALDI liegen in Essen-Schonnebeck. Und dort wo alles begann, steht auch heute noch eine ALDI Filiale. Wir sind mit unserem Unternehmens-Historiker, Dr. Marco Rudzinski, ins Jahr 1913 gereist und haben uns das ALDI Stammhaus angeschaut.

ALDI gibt es schon seit über 100 Jahren. Die Wurzeln liegen im ALDI Stammhaus in Essen-Schonnebeck. Doch ist damit auch der allererste Laden gemeint?

Nein, denn bereits 1913 hat Karl Albrecht mit seiner Frau Anna einen Backwaren-Handel begonnen und damit den Grundstein für ALDI gelegt. Ihren ersten Laden eröffneten sie in Anna Albrechts Elternhaus. Dort konnte sie das Geschäft über die Jahre des Ersten Weltkriegs hinweg allein aufrechterhalten während ihr Mann eingezogen war. 1918 kehrt er wohlbehalten heim. Und einige Monate später stand das benachbarte Wohn- und Geschäftshaus zum Verkauf. Karl und Anna Albrecht erwarben mit diesem Objekt in der heutigen Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck ihr eigenes Haus. Der Vorbesitzer hatte darin bereits seit Fertigstellung des Gebäudes 1909 eines der größeren Lebensmittelfachgeschäfte des Bergarbeiterquartiers betrieben. Für die Albrechts bedeutete die Verlegung ihres Geschäfts in diesen Laden im Frühjahr 1919, also vor 100 Jahren, einen qualitativen wie quantitativen Sprung: auf der neuen Verkaufsfläche konnten sie ihr Angebot endgültig auf den damals typischen Sortimentsumfang des Lebensmittelhandels ausweiten. Ihren neuen Laden nannten sie „Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht“.

Im Interview mit ALDI SÜD Unternehmens-Historiker Dr. Marco Rudzinski.

Das ALDI Discount-Konzept wurde später von den Söhnen Theo und Karl Albrecht eingeführt. Wie hat die Atmosphäre des Elternhauses und seiner Umgebung auf die Brüder gewirkt?

Karl und Theo wurden 1920 und 1922 in der Wohnung über dem Laden geboren. Sie wuchsen mit und in dem elterlichen Geschäft auf. Die Kindheit und Jugend in diesem Umfeld waren für sie besonders prägend. Aber auch die Ausbildung zum Lebensmittelkaufmann in diesem Laden hat ihre positiven Spuren hinterlassen. Spätestens in dieser Zeit lernten Karl und Theo die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden aus der Bergarbeiterbevölkerung genau kennen. Diese Erfahrungen prägten sie für ihr ganzes Händlerleben.

Wie haben die Albrechts es geschafft, das Geschäft durch die Kriegszeiten zu steuern? Hat das Geschäft auch Schäden durch den Krieg erlitten?

Durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs erlitt das Haus 1943 einen Brandschaden. Dieser betraf das Lager und zum Teil auch auf die Wohnung der Familie. Die Schäden konnten aber relativ rasch wieder beseitigt werden. Nach dem Tod ihres Mannes im selben Jahr war Anna Albrecht erneut auf sich allein gestellt. Denn beide Söhne mussten als Soldaten in den Krieg ziehen. Couragiert gelang es der Kauffrau ein weiteres Mal, das Geschäft durch Kriegszeiten zu steuern. 1945 kehrten Karl und Theo Albrecht heim. Sie fanden ein intaktes Geschäft in einem unzerstörten Haus vor. Und: Sie hatten Kunden, da Schonnebeck im Vergleich zu anderen Stadtvierteln von Essen den Bombenkrieg relativ glimpflich überstanden hatte. Die Brüder bauten das Geschäft rasch aus. Gerade ihr Engagement bei der Warenbeschaffung sorgte dafür, dass sie in der Zeit des Nachkriegsmangels immer mehr Kunden hinzugewannen. Kurzerhand bezogen sie deshalb das dahinterliegende Büro in das Geschäft ein, um dem Kundenandrang gerecht zu werden.

Das Stammhaus war über 30 Jahre der Dreh- und Angelpunkt des Firmengeschehens. In der Anfangsphase der Filialisierung wurde es zur ersten Firmenzentrale, unter deren Dach auch das Lager untergebracht war. Wie können wir uns das vorstellen?

Als die Albrechts 1948 begannen, einen Laden nach dem anderen zu eröffnen, aus dem elterlichen Geschäft einen Filialbetrieb zu machen, diente ihr Stammhaus für die ersten Jahre als Zentrale. Über das Lager im Hof, das in zwei Etappen entstand, lief die Belieferung der ersten 30 Filialen. Bald aber schon war der Platz im Hof zu beengt und die Tordurchfahrt des Hauses dem Verkehr nicht mehr gewachsen. So nutzen Karl und Theo den Garten, um von der dahinterliegenden Straße eine bessere Zuwegung für die Lastwagen zu schaffen. Aber auch das reichte nicht aus: 1953 errichteten sie schließlich fußläufig entfernt in der Gerhardstraße das erste Zentrallager mit eigenem Verwaltungsgebäude. In den leeren Lagerräumen im Hof des Stammhauses wurden dann u.a. die Handwerker der Betriebsschreinerei, die die Einrichtungen der Albrecht-Filialen fertigten, untergebracht.

Wie verlief dann die weitere Geschichte des Hauses?

Das Stammhaus von ALDI liegt in Essen-Schonnebeck.
Das Stammhaus von ALDI liegt in Essen-Schonnebeck.

Im Sommer 1954 folgte ein wichtiger Einschnitt in der „Handelsgeschichte“ des Hauses: Damals wurde dort der erste Selbstbedienungsladen der Firma Albrecht eröffnet. 1960 vergrößerten die Kaufmänner den Selbstbedienungsladen schließlich zu einem Albrecht-Markt. Es dauerte nicht mehr lange bis dieser Albrecht-Markt, auf das neue Discount-Konzept umgestellt, zum ALDI-Markt wurde. Bis zum heutigen Tag betreibt ALDI Nord an dieser Stelle eine Filiale.

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Anna Maria Lennertz
Anna Maria Lennertz
Bei ALDI SÜD bin ich mitverantwortlich für die interne Kommunikation. Wir bereiten Themen aus der Mitarbeiterperspektive auf − ich schreibe also Texte für all unsere internen Medien. Das sind meine Lieblingsprodukte: Fresh-Cut-Salate, Brezeln, Kürbiskerne und unsere Bio-Aktionsartikel. Seitdem ich bei ALDI SÜD arbeite, esse ich noch mehr Nussknacker-Schokolade.

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